Ransomware 2025: Warum die Angreifer immer früher beginnen
Moderne Ransomware-Gruppen bereiten Angriffe Wochen im Voraus vor. Unsere Analyse zeigt, welche Indikatoren auf eine bevorstehende Attacke hinweisen.
Ransomware ist ein professionelles Geschäftsmodell
Was einmal die Domäne einzelner Hacker war, ist heute ein hochgradig professionalisiertes Geschäftsmodell. Ransomware-as-a-Service (RaaS) hat die Szene demokratisiert: Technisch wenig versierte Kriminelle mieten Verschlüsselungswerkzeuge und -infrastruktur von spezialisierten Entwicklergruppen, führen die Angriffe durch und teilen den Erpressungserlös. Gruppen wie LockBit, BlackCat/ALPHV oder Cl0p operieren dabei mit dem gleichen Professionalitätsgrad wie reguläre Softwareunternehmen – inklusive Support-Helpdesk und Qualitätssicherung.
Diese Professionalisierung hat auch die Angriffsmuster verändert. Ransomware-Gruppen haben erkannt, dass überhastete Angriffe geringere Lösegeldsummen einbringen. Stattdessen investieren sie heute Wochen oder Monate in die Vorbereitung: Netzwerkerkundung, Privilegienausweitung, Datenexfiltration vor der Verschlüsselung, und das gezielte Platzieren von Hintertüren für einen späteren Wiederzugang.
Indikatoren, die auf einen bevorstehenden Angriff hinweisen
Die gute Nachricht: Diese ausgedehnte Vorbereitungsphase hinterlässt Spuren – wenn man weiß, wo man suchen muss. Zu den wichtigsten Frühwarnindikatoren gehören:
Initial Access Broker-Aktivitäten: In Darknet-Foren und -Marktplätzen werden regelmäßig kompromittierte Zugänge zu Unternehmensnetzwerken verkauft. Initial Access Broker (IABs) sind auf genau das spezialisiert: Sie brechen in Netzwerke ein und verkaufen dann den Zugang weiter – oft an Ransomware-Gruppen. Wenn ein Zugang zu Ihrer Infrastruktur im Darknet gehandelt wird, ist die Uhr gestartet.
Command-and-Control-Server-Aufbau: Bevor ein Angriff startet, müssen Angreifer ihre Infrastruktur aufbauen: C2-Server (Command and Control), über die sie kompromittierte Systeme steuern können. Diese Infrastruktur ist oft Tage bis Wochen vor dem eigentlichen Angriff aktiv – und kann über Threat-Intelligence-Daten identifiziert werden.
Leaked Credentials aus Ihrem Unternehmen: Kompromittierte Zugangsdaten von Mitarbeitern sind häufig der erste Schritt eines Ransomware-Angriffs. Ob durch Phishing, Infostealer-Malware oder Datenpannen bei Drittanbietern – wenn Credentials Ihrer Mitarbeiter im Darknet auftauchen, ist Handlungsbedarf unmittelbar.
Was >80% Früherkennung bedeutet
Unsere Erfahrung zeigt, dass über 80 % aller gezielten Ransomware-Angriffe auf Unternehmensebene erkennbare Vorbereitungsaktivitäten aufweisen, die mindestens eine Woche vor dem eigentlichen Einschlag identifiziert werden können. Das ist kein theoretischer Wert – er basiert auf jahrelanger operativer Präsenz in den relevanten Ökosystemen: Darknet-Foren, Telegram-Gruppen, Paste-Sites, C2-Tracking-Netzwerken.
Entscheidend ist dabei nicht die bloße Detektion, sondern die Handlungsfähigkeit: Eine qualifizierte Frühwarnung enthält konkrete Informationen darüber, welche Systeme betroffen sein könnten, welche Angreifer aktiv sind und welche unmittelbaren Gegenmaßnahmen sinnvoll sind. Eine Flut von ungefilterten Indicators of Compromise (IOCs) ohne Kontext ist für die meisten Security-Teams kaum verwertbar.
Die Konsequenz für Ihre Sicherheitsstrategie
Ransomware-Prävention beginnt nicht beim Endpoint-Schutz oder beim Backup-Konzept – obwohl beides wichtig ist. Sie beginnt außerhalb Ihrer Organisation: in den Ökosystemen, in denen Angriffe vorbereitet werden. Wer dort Präsenz hat und die richtigen Signale deuten kann, gewinnt die entscheidende Zeit für gezielte Gegenmaßnahmen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Für eine spezifische Bewertung Ihrer Bedrohungslage empfehlen wir ein individuelles Expertengespräch.
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