Phishing-as-a-Service: Wie professionelle Angriffsdienste Ihren Markennamen missbrauchen
Kriminelle bieten Phishing-Infrastruktur als Service an. Wie Ihre Marke zur Waffe gegen Ihre Kunden wird – und was Sie dagegen tun können.
Phishing ist industrialisiert
Was einmal handgefertigte E-Mails mit offensichtlichen Tippfehlern waren, ist heute ein hochprofessioneller, skalierter Industriezweig. Phishing-as-a-Service (PhaaS) bedeutet: Kriminelle können heute ohne technische Kenntnisse vollständig ausgestattete Phishing-Kampagnen kaufen – inklusive täuschend echter Nachbildungen Ihrer Website, Hosting-Infrastruktur, E-Mail-Versand und teils sogar Anti-Detection-Maßnahmen gegen Security-Scanner.
Plattformen wie EvilProxy, Tycoon 2FA oder Robin Banks (inzwischen teilweise abgeschaltet, aber schnell durch Nachfolger ersetzt) bieten Komplettlösungen für Angreifer, die Markennamen bekannter Unternehmen für ihre Kampagnen missbrauchen.
Wie Ihr Markenname zur Waffe wird
Das Schema ist typischerweise: Angreifer registrieren eine Domain, die Ihrem echten Domainnamen ähnlich ist (Typosquatting), bauen eine täuschend echte Kopie Ihrer Login-Seite oder Ihres Kundenportals und versenden massenhaft E-Mails, die scheinbar von Ihnen stammen. Das Ziel: Zugangsdaten Ihrer Kunden stehlen, Zahlungen umleiten oder Ransomware über infizierte Anhänge verbreiten.
Die Folgen für das betroffene Unternehmen sind erheblich – selbst wenn der eigentliche Schaden bei den Kunden entsteht:
- Reputationsschaden: Kunden, die betrogen wurden, verbinden den Schaden mit Ihrer Marke, nicht mit den Kriminellen.
- Rechtliche Risiken: In bestimmten Konstellationen können Unternehmen für Schäden in der Haftung stehen, wenn sie von Phishing-Kampagnen in ihrem Namen Kenntnis hatten (oder hätten haben müssen) und keine angemessenen Gegenmaßnahmen ergriffen haben.
- Operativer Aufwand: Reaktive Bekämpfung von Phishing-Kampagnen ist teuer und zeitaufwendig – proaktive Überwachung ist erheblich effizienter.
Was Früherkennung und schneller Takedown leisten
Der wirksamste Schutz vor Brand-Abuse-Kampagnen ist ein zweistufiger Ansatz:
Früherkennung: Kontinuierliches Monitoring auf neue Domainregistrierungen, die Ihrem Markennamen ähnlich sind, auf Phishing-Kit-Aktivitäten in Darknet-Quellen und auf erste Phishing-Mails, die über Honeypots abgefangen werden. Kampagnen werden typischerweise erkannt, bevor sie skalieren.
Schneller Takedown: Sobald eine Phishing-Site oder eine missbraucherische Domain identifiziert ist, beginnt die Zeit. Jede Stunde, in der eine solche Site online ist, bedeutet potenzielle Opfer. Erfahrene Takedown-Spezialisten arbeiten mit Hosting-Providern, Domain-Registraren und nationalen Behörden zusammen und erreichen in der Regel Abschaltzeiten von 2–4 Stunden.
Diese Zeitspanne ist kein Zufall – sie erfordert etablierte Beziehungen, klare Prozesse und ständige Verfügbarkeit. Wer das reaktiv versucht, ohne diese Voraussetzungen, rechnet typischerweise mit Tagen, nicht Stunden.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Für rechtliche Fragen im Zusammenhang mit Phishing-Angriffen empfehlen wir rechtliche Beratung.
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