Versicherbarkeit von Cyberrisiken: Was Versicherer heute wirklich fordern
Cyber-Versicherungen werden strenger. Welche Nachweise und Dokumentationen Versicherer im Jahr 2025 von Unternehmen verlangen – und wie Sie sich vorbereiten.
Der Markt für Cyber-Versicherungen hat sich verändert
Nach Jahren mit Verlusten durch hohe Schadenszahlungen infolge von Ransomware-Angriffen haben Cyber-Versicherer ihre Anforderungen deutlich verschärft. Einfache Selbstauskünfte und ein Häkchen bei "MFA aktiviert" reichen nicht mehr aus. Wer heute eine Cyber-Versicherung abschließen oder verlängern möchte, muss deutlich belastbarere Nachweise seines Sicherheitsniveaus erbringen.
Die wichtigsten Anforderungen, die wir in Kundengesprächen und Marktanalysen sehen, lassen sich in drei Kategorien einteilen.
Kategorie 1: Technische Basismaßnahmen (als Mindestanforderung)
- Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA): Nicht nur für E-Mail, sondern für alle privilegierten Zugänge, Remote-Zugriff und kritische Systeme. Nachweis durch Konfigurationsdokumentation oder technische Überprüfung.
- Privileged Access Management (PAM): Kontrollierter Zugriff auf privilegierte Konten, Protokollierung aller Aktivitäten.
- Endpoint Detection & Response (EDR): Moderner Endpunktschutz mit Verhaltensanalyse, nicht nur signaturbasierter Antivirus.
- Backup-Strategie: Regelmäßige, getestete Backups nach der 3-2-1-Regel, idealerweise mit einem Offline-/Air-Gap-Anteil.
- Patch Management: Strukturierter Prozess für zeitnahe Behebung kritischer Schwachstellen.
Kategorie 2: Governance und Prozesse (zunehmend im Fokus)
- Incident Response Plan: Dokumentierter, regelmäßig getesteter Plan für den Umgang mit Sicherheitsvorfällen.
- Security Awareness Training: Regelmäßige Schulungen für Mitarbeiter, idealerweise mit Phishing-Simulationen.
- Vendor Risk Management: Dokumentierter Prozess für die Überprüfung von Lieferanten und deren Sicherheitsniveau.
Kategorie 3: Externe Bedrohungsüberwachung (neu und zunehmend verlangt)
Immer mehr Versicherer fragen explizit nach externen Überwachungsmaßnahmen:
- Wird das eigene Unternehmen auf Darknet-Aktivitäten überwacht?
- Gibt es ein systematisches Monitoring von Credential-Leaks?
- Werden Phishing-Infrastrukturen, die den eigenen Markennamen missbrauchen, überwacht und aktiv bekämpft?
Diese Anforderungen spiegeln eine Erkenntnis wider, die sich in der Branche durchgesetzt hat: Die meisten schwerwiegenden Cyber-Vorfälle beginnen mit externen Signalen, die frühzeitig erkennbar gewesen wären – wenn man hingeschaut hätte.
Was unzureichende Dokumentation im Schadenfall bedeutet
Wer im Schadenfall keine ausreichenden Nachweise über implementierte Sicherheitsmaßnahmen vorlegen kann, riskiert eine Leistungskürzung oder -verweigerung. Das ist keine theoretische Möglichkeit – es ist in Cyber-Versicherungsfällen bereits Realität. Die Investition in nachweisbare, dokumentierte Sicherheitsmaßnahmen ist damit nicht nur eine operationale, sondern auch eine finanzielle Notwendigkeit.
Hinweis: Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Marktüberblick. Die konkreten Anforderungen Ihrer Versicherung entnehmen Sie bitte Ihrem Versicherungsvertrag oder sprechen Sie direkt mit Ihrem Versicherungsmakler.
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